optag


02.04.2007

Es ist vorbei! Papa und ich gingen heute barfuß durch die Hölle, aber wir haben es geschafft.

Aber nun erst mal von Vorne:

Gestern Abend musste ich dir noch einen Einlauf machen. Im Anschluss durfte ich dich nochmals baden. Papa war auch da.

Dich hat das Ganze so geschafft, dass du ohne deine Flasche tief und fest eingeschlafen bist. Um 23 Uhr habe ich dich dann geweckt, damit du noch eine Flasche trinkst, da es for der OP die Letzte war. Eigentlich hättest du eine größere Menge trinken dürfen, aber nach deinen gewohnten 170 ml hörtest du auf und bist dann auch gleich wieder eingeschlafen.

Um 5:20 Uhr bin ich nach einer durchwachsenen Nachtruhe aufgestanden. Habe mich gewaschen, angezogen und ein wenig zurechtgemacht. Kurz nach halb sechs war auch Papa schon da. Ich habe dann noch die letzten Sachen gepackt und Papa hat die Taschen ins Auto, da ich ja ins Elternhaus umziehen muss.

Dann habe ich dich langsamt fertig gemacht. Gewogen, Fieber gemessen, gewaschen, angezogen. Ich waqr kaum fertig, kam schon die Schwester mit dem Kinderwagen. Jetzt gings los - mittlerweile war es schon 6:40 Uhr. Sie brachte uns in den Aufwachraum der Chirurgischen Klinik und verabschiedete sich. Dort wurden wir in Empfang genommen. Die Schwester brachte ein Wärmebettchen und ein Flügelhemd. Wir durften dich selbst umziehen und reinlegen. Papa und ich weinten viel, leise vor uns hin, denn wir waren ja zwischen vielen frisch operierten Menschen, die nicht zu ihrem auch noch unser Leid ertragen sollten. Dann kam auch schon der Anästhesist und Dr. L. , der uns über die OP aufklärte. Eins sehr sympatischer Mann, der uns vor Allem sehr ehrlich vorkam.

Nun ging es los. Wir durften dich noch bis zur Schleusse begleiten und mussten dann Abschied nehmen.

So, jetzt warst du weg und wir waren absolut machtlos. Wir mussten die Verantwortung für dich an fremde Menschen abgeben - es war die absolute Hölle.

Wir machten uns zurück auf den Weg in die Kinderklinik um den Kinderwagen abzugeben. Im Anschluss verliessen wir ganz schnell das Klinikgelände und fuhren nach Heidelberg rein. Wir suchten uns abseits am Neckar einen Parkplatz und liefen dann ohne Ziel durch die Altstadt. Irgendwann entschlossen iwr vor lauter Übelkeit doch eine Kleinigkeit zu essen und fanden dann auch ein Café welches ein nettes Frühstück anbot.

Unsere Gedanken waren nur bei dir - immer wieder mussten wir mit den Tränen kämpfen.

Nach dem Frühstück liefen wir weiter ziellos durch Alt Heidelberg. Als wir an einem Internet-Café vorbeikamen, waren wir uns einig doch im Herzkinderforum mitzuteilen, dass du noch einen Tag vorgezogen wurdest, damit ganz viele Herzkinderfamilien an dich denken und bei dir sind. Auch wenn man sich nur virtuell kennt, ist es eine tolle Gemeinschaft, die einem bei allen Sorgen und Ängsten beisteht. Wir wollten uns gerade wieder auf den Weg machen, als Papas und mein Handy fast zeitgleich klingelten.  Papa war schon draussen am telefonieren und mir rutschte mein Herz in die Hose und ich hatte furchtbare Angst das Gespräch entgegenzunehmen. Für einen Anruf aus dem Krankenhaus wäre es noch recht früh und könnte eigentlich nur Schlechtes bedeuten. Aber die Nummer auf dem Display war mit Sicherheit das Krankenhaus. Es war Dr. L.  Er erzählte mir in ganz ruhigem Ton, dass es eine Bilderbuch-OP gewesen sei. Sie haben den VSD sowie das foramen Ovale verschlossen. Es hätte keine bösen Überraschungen gegeben und du kleiner Mann hättest alles supergut mitgemacht. In ca. 1 - 1,5 Stunden würdest du auf die H3i verlegt werden und wir könnten dann zu dir.

Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, der war so groß und schwer, du kannst es dir gar nicht vorstellen.

Papa war zum Telefonieren nach Draussen gegangen und als er von mir hörte, dass alles schon überstanden sei, brach er sein Telefonat ab und heulte wie ein Schlosshund - vor Erleichterung!

Ih rief dann auch gleich Oma an und überbrachte die gute Nachricht. Wir führten viel Telefonate.

Nun konnten wir erleichtert am Neckar spazieren gehen und auch noch ein wenig die Sonne geniessen. Alles war nun so Positiv wie schon lange nicht mehr in unserem Leben.

Gegen 12:45 Uhr waren wir in der Klinik und fragten auf der H3i , ob du schon da wärst. Die Schwester sagte uns, du seist auf dem Weg, aber sie benötigen auch eine gute halbe Stunde bis du umgebettet, verkabelt und gemonitort bist. Gegen 14 Uhr dürfen wir wiederkommen. Wieder warten! Als wir dann u 14 Uhr da waren, wurden wir ins Elternzimmer geschickt. Man würde uns dann holen. Im Elternzimmer sind wir mit einigen anderen Eltern ins Gespräch gekommen und haben viele verschiedene Schicksale - weitaus Schlimmere als das unsere - kennengelernt.

Da bis 14:40 Uhr immer noch nichts passiert war, gingen wir noch rüber ins Elternhaus, damit ich mein Zimmer bekomme. Schlüssel geholt - unterschrieben - und dann wieder schnell auf die H3i und wieder warten. Leider hat man uns vor lauter Visite vergessen, bis uns eine liebe Schwester gesehen hat und dann alles in die Hand genommen hat.

Sie führte uns in ein Zimmer, ganz vorne, direkt bei den Schwestern. Wir sahen erst Mal nur Apparate und dann auch dich. Im ersten Moment war der Anblick einfach nur grausam aber nach einigen geweinten Tränen, den ersten Berührungen und vielen Erklärungen wurde es rasch annehmbarer. Wir waren gut 2,5 Stunden qan deinem Bettchen gestanden und gesessen, dann ging ich mit Papa etwas essen. Papa fuhr nach dem Essen nach Hause und ich ging wieder zu dir.

Die Schwestern umsorgten dich ohne Pause. Du fingst sogar schon langsam an deine Gliedmaßen zu bewegen. Und als ich dir ein Liedchen gesungen habe, hast du sogar deine Äuglein für kurze Zeit geöffnet. Mein Herz blühte richtig auf und machte riesisge Freudensprünge.

Weil du schon so extrem wach warst, haben sie dir das Morphin noch einmal hochgesetzt, damit du keine Schmerzen leiden musst. Gegen 20;:15 Uhr hast du zum ersten Mal  etwas Milch sondiert bekommen und du hast es schön drin behalten. So kann es weitergehen. Die Ärzte und Schwestern sind super zufrieden mit dir. Um 20:40 Uhr habe ich mich auf den Weg ins Zimmer gemacht, meine Tasche ausgeräumt, mich gewaschen ins Bett gelegt  und den heutigen Tag für uns schriftlich festgehalten. Mittlerweile ist es 22:30 Uhr und es ist Zeit zu schlafen.

 

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